Hans Guido, Dirigent

Hinweis1 100ster Todestag Hinweis2

(Bülowsches Familienblatt Nr. 60, Jahrgang 1994/1995, Seiten 39+ 40)

Vortrag des Vetters Henning v. B. (IV-208) Aumühle, im Anschluß an die Familientagssitzung

Zu den bedeutenden und mitgestaltenden Persönlichkeiten im Musikleben des 19. Jahrhunderts gehörte ohne Zweifel Hans Guido v. Bülow. Sein 100. Todesjahr 1994 wäre Anlass genug gewesen auf dem Familientag in Bad Doberan, an die vielfältigen und tiefgreifenden Verdienste dieses bedeutenden Bülows zu erinnern.. Der Vortrag damals galt der Bülowkapelle im Doberaner Münster. Heute auf diesem Familientag soll nun an den herausragenden, genialen Musiker aus unserer Familie erinnert werden.. Von den Bülowschen Persönlichkeiten seiner Zeit ist er noch heute von großer Bedeutung, denn er schuf den Typus des modernen Orchesterdirigenten.

Hans v. Bülow wurde im Jahr der Märzrevolution 1830 in Dresden geboren. Er entstammt der Linie römisch VIII.also der Linie Gartow. Sein Großvater war kursächsischer Major, glühender Napoleonanhänger und wurde in der Schlacht von Smolensk verwundet, während der Bruder des Großvaters als preußischer Major in den Freiheitskriegen 1813 bei Groß Görschen fiel. Dessen Enkel wiederum war der Generalfeldmarschall Karl, also ein sehr naher Verwandter des großen Musikers Hans v. Bülow.

Man fragt sich nun woher kommt eine so herausragende künstlerische und musikalische Begabung?

Sein Vater Eduard, von großer dichterischer und schriftstellerischer Begabung, bekannter Novellendichter, Übersetzer italienischer Erzählungen, Wiederherausgeber des Grimmelshausenschen Simplicissimus und enger Freund Ludwig Thieks,-seine Mutter von lebhaftem Geist, hochgebildet mit guter musikalischer Begabung,- so wuchs Hans v. Bülow in einer hochkünstlerischen und dem Geistesleben zugewandten Atmosphäre auf. Es war die Zeit da Darbietungen ernster Musik mit zunehmendem Einfluß der Mittelschicht sich einer stetig anwachsenden Zahl von Zuhörern stellen mußte. Dieses „neue“ Publikum begeisterte sich in der Hauptsache für Pianisten. Das Klavier hatte in beinahe jeden gutbürgerlichen Haushalt Eingang gefunden. Es war nicht bloß irgendein Musikinstrument, sondern wurde zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Nur sehr selten gab es eine Soireé ohne eine Einlage am Klavier. Ebenso wie feine Handarbeit oder leichte Konversation war das Klavierspiel-oder die gesangliche Begleitung dazu-eine Fähigkeit, die eine junge Dame aus gutem Hause zu erlernen hatte.

Die Geistesanlagen des Knaben Hans entwickelten sich mit ungewöhnlicher Schnelligkeit und Intensität. Schon früh zeigte sich eine erstaunliche Lernfähigkeit. Als Vierjähriger muß er dem Vater bereits endlose Fabeln rezitieren, und nicht viel später hatte er schon Unterricht im Französischen, auf den die Mutter sehr großen Wert legte. Beides waren sicherlich Grundlagen für sein späteres phänomenales Gedächtnis und seine außerordentlichen Sprachkenntnisse.

Die musikalische Begabung trat erst verhältnismäßig spät, im neunten Lebensjahr, zu tage, entwickelte sich dann aber außerordentlich schnell, und mit ihr sein künstlerisches Urteil und seine künstlerische Überzeugung. Am 20. Oktober 1842 wohnte der Zwölfjährige der Uraufführung Richard Wagners erster Oper „Rienzi“ im Dresdener Opernhaus bei, und an diesem Tage wurde er nach seiner eigenen Aussage „Wagnerianer“. Die Begegnung mit Wagner und mit

Franz Liszt sollten schicksalbestimmend für sein ganzes Leben sein. Mit 14 kommt es zur ersten Begegnung mit Liszt, der zu dieser Zeit in einem näheren Verhältnis zu der exzentrischen Tänzerin Lola Montez stand. -Bekanntlich war sie ja später die Geliebte des Königs Ludwig I. von Bayern, den dieses Verhältnis den Thron kostete.- Lola Montez wurde nach einer Theateraufführung auf dem Weg nach Hause von betrunkenen Männern angefallen und aus dieser mißlichen Lage vom Vater Eduard v. Bülow befreit. Als Dank empfahl sie den jungen Pianisten Hans dem großen Meister Liszt, der von der Begabung und dem Können des Jungen tief beeindruckt ja begeistert war. Es entstand eine enge lebenslange väterliche Freundschaft. Fortan ging der junge Bülow in die Schule des großen Klavierlehrers Prof. Friedrich Wieck, dem Vater von Clara Schumann.. Mit 15 hatte er bereits mit gutem Erfolg seinen ersten öffentlichen Auftritt. Das Klavier und die Musik standen von nun an im Mittelpunkt seines Lebens. Nach dem glänzend bestandenen Abitur sollte Hans nach dem Wunsch seiner Eltern das Jurastudium aufnehmen. Die Mutter hatte eine starke Abneigung gegen eine Musikerkarriere ihres Sohnes, den sie von vornherein in feste Bahnen leiten, vor den Gefahren allzu großer Freiheit bewahren wollte. Auch sollte er, -wie es hieß- einen „Brotberuf“ erlernen und möglichs einmal in den Staatsdienst eintreten. Er nahm das Studium Generale und der Rechte in Leipzig auf und fand liebevolle Aufnahme im Hause seines Onkels des Kammerrats Frege. Nur für die demokratischen und republikanischen Ideen des jungen Studenten hatten die lieben Verwandten kein Verständnis. Er begeisterte sich für die Ideen der Revolution von 1848, arbeitete an einer Zeitung in diesem Sinne mit, begeisterte sich für Wagners Schrift „Kunst und Revolution“ der wegen seiner politischen Einstellung das Land verlassen mußte, und in der Schweiz zuflucht fand.

1849, die Ehe seiner Eltern war nach jahrelangen Streitereien des nervös cholerischen Vaters mit der Mutter zerüttet und geschieden, zieht Hans mit seiner Mutter Franziska nach Berlin und setzt dort sein juristisches Studium fort.

Die Uraufführung des „Lohengrin“ unter der Leitung von Franz Liszt 1850 in Weimar brachte die Entscheidung seines Lebens. Er kehrte gegen den Willen seiner Eltern für immer zur Musik zurück. Pianist zu werden gab er vor, zum Komponisten fühlte er sich geboren, der größte Dirigent sollte er werden. Er folgte dem Rufe Wagners nach Zürich um sich bei ihm in die Dirigententätigkeit einführen zu lassen. Der so heroisch verehrte Wagner selbst bot ihm die Gelegenheit, die ihm nie wiederkehren konnte: -„Bei Wagner Beethovensche Sinfonien zu hören, unter seiner Leitung Beethovensche Klavierkonzerte zu spielen, unter seiner Aufsicht Opern einzustudieren und im Theater zu dirigieren!“- An seine Schwester berichtet er:“Wagner war mit mir vollkommen zufrieden, die Sache ist nicht so leicht, wie sie aussieht, es bedarf eines gründlichen, fast bis zu völligem auswendiglernen der Opern.“ Obwohl das hervorragende Talent des erst zwanzigjährigen in Zürich schnell Anerkennung fand sollte seines Bleibens dort doch nicht lange wären. Die erste, im Publikum sehr beliebte Sängerin wollte nicht unter seiner Leitung singen, denn Bülow dirigierte die Opern wie symphonische Stücke, in die sich die Stimmen der Sänger einzufügen hatten, und deshalb mußte er gehen, und Wagner ging mit ihm. In St. Gallen fand der erst zwanzig jährige Bülow Anstellung als Theatermusikdirektor. Leider machte die St. Galler Operngesellschaft Bankrott. Immerhin lernte er mit Orchestern umzugehen und lernte mit dem Altagsbetrieb einer Orchesterführung fertig zu werden. Hans ging nun als Meisterschüler zu Franz Liszt nach Weimar, der wie er und Wagner „die neudeutsche Richtung“ in der Musik vertrat. Von hier aus unternahm er, der an Weltgewandtheit, Eleganz und künstlerischem Elan Liszt ähnelte, die ersten Konzertreisen als Pianist nach Wien und Budapest. 1854 nahm er Wohnsitz in Berlin, wo seine Mutter inzwischen die Töchter aus der Verbindung Liszt`s mit der Gräfin d`Agoult Cosima und Blandine aufgenommen hatte. Hier lehrte er am Sternschen Konservatorium und gab erfolgreich Konzerte. Der Klavierunterricht für die Liszttöchter führte zu tiefer Zuneigung zwischen Hans und Cosima, die er 1857 als zwanzigjährige heiratete. Bereits auf der Hochzeitsreise, die auch zu Wagner in die Schweiz führte soll es zu einer gewissen Zuneigung zwischen Cosima und Wagner gekommen sein? 1858 wird Hans v. Bülow zum Königlich Preußischen Hofpianisten ernannt. 1860 kommt die erste Tochter Daniella und 1862 Blandina zur Welt. Ende 1864 siedelt er, einem Rufe Richard Wagners folgend, nach München über. Cosima war bereits mit den beiden Töchtern zu Wagner an den Starnberger See gezogen. München sollte nach Wagners Vorstellungen eine Stätte deutschen Stiles der Darstellung musikalischdramatischer Werke werden. Die erste Aufgabe die Hans v. Bülow zu bewältigen hatte war die Uraufführung des „Tristan“. Man vergißt heute leicht was diese künstlerische Tat zu bedeuten hatte. Die Aufführung dieses Werkes galt damals allgemein für unmöglich. Aber Bülow war eben der Erste der in der Lage war den leidenschaftlich tragischen Stil zum Ausdruck zu bringen. Er, der eigentlich ein großer Komponist werden wollte setzte nun seine beinahe genialen Talente,seine ganze leidenschaftliche Liebe und Arbeitskraft in die Vervollkommnung der Wiedergabe der musikalischen Werke anderer ein. Erst sollte es Wagner und später Beethoven und Brahms sein. Es ist anzunehmen, daß er bereits damals von dem Verhältnis Wagners zu Cosima gewußt hat, und dennoch bleibt er seinem Idol treu und dirigiert drei Jahre später 1868 die Uraufführung der „Meistersinger“, die ihm einen grandiosen Erfolg bescherte. Jedoch die Ehe war zerbrochen. Allein drei Kinder 1865 Isolde, 1867 Eva und 1869 Siegfried Wagner waren aus der Verbindung von Richard Wagner und Cosima v. Bülow entsprungen. Bülow willigt in die Scheidung ein und überläßt auch seine beiden Töchter der Obhut Cosimas. Sein Bleiben in München war unerträglich und unmöglich geworden. Er, dem eheliche Harmonie nach den Jugenderlebnissen mit den ständigen Streitereien seiner Eltern das Höchste war, war durch diesen demütigenden Verrat seines Übervaters und der treulosen Cosima in tiefster Seele erschüttert, gekränkt und nervlich zerüttet. Er geht nach Florenz, um nach einer Phase der Erholung und schöpferischen Pause als Pianist mit außerordentlichen Erfolgen auf Konzertreisen nach Amerika und nahezu alle Länder Europas zu gehen. 1877 endet die Zeit der Ruhelosigkeit und er wird musikalischer Oberleiter des Hoftheaters und zugleich Direktor der Musikakademie in Hannover. Bereits früher hatte er hier Konzerte gegeben, und man begrüßte ihn herzlich als er mit dem auswendig dirigierten „Fidelio“ debütierte. In den zwei Jahren seines hannoverschen Wirkens hat er nach unseren heutigen Begriffen unvorstellbares geleistet: Er dirigierte 26 verschiedene Opern, dazu Balett- und Schauspielmusik, leitete 18 Abonnementskonzerte, gab 50 eigene Klavierabende, und trat 24 mal in Konzerten als Solist auf; und wirkte 17 mal in Kammermusiken mit. Er brachte in einem Abendprogramm drei Symphonien Beethovens und vermocht dazu noch den Klavierpart auswendig zu spielen. 1879 schied er nach einer Auseinandersetzung mit einem im Rhytmus schwachen Heldentenor nach kurzer aber wirkungsreicher Tätigkeit in Hannover aus. Selbst eine von dem hannoverschen Konzerpublikum an Kaiser Wilhelm I gerichtete Petition vermochte ihn an seinem Fortgehen nicht zu hindern. 1880 gewinnt ihn der kunstsinnige Herzog Georg II.von Meiningen für das Hoforchester. Ein Provinzorchester das Bülow 1873 schon einmal dirigiert hatte. Der Herzog ermöglichte ihm ein Orchester nach seinen Vorstellungen aufzubauen und es unter seiner Leitung zu einem der ersten Orchester in Europa werden zu lassen. Er ging mit der ihm eigenen Energie, unter Einsatz seines großen Kunstverstandes und seinen weitreichenden Verbindungen daran „sein Orchester“ erst einmal personell auf den erforderlichen Stand zu bringen. Aus halb Europa wurden Musiker gewonnen. Er kümmerte sich um alles und um jeden. Dann begann die Probenarbeit nach dem „Meininger Prinzip“wie er es beschreibt:“Ich arbeite nach den Meininger Prinzipien: Separatproben von Bläsern und Streichern, letztere subdividiert in 1. und 2. Geige, Violen, Celli und Bässe. Jede dynamische Nüance wird studiert, jeder Bogenstrich, jedes Staccato genau gleichmäßig vorgezeichnet, musikalische Phrasierung(die melodisch rythmische Einteilung eines Tonstücks) und Interpunktion in jedem Detail probiert. In der Kunst gibt es keine Bagatellen, ist meine Maxime.“ Des morgens in der früh begann er mit den Einzelproben der verschiedenen Instrumente, dann folgten Ensembleproben und Abends dann Chor und Orchesterproben. Jede Note und jede Pause mußte verstanden werden, um die Komposition als ganzes angemessen spielen zu können. Bis zur physischen und psychischen Erschöpfung aller Beteiligten wurde der geistige Gehalt der Partitur erarbeitet und in der Interpretation umgesetzt. Die werksgetreue Wiedergabe war sein Prinzip! Er der stehend und auswendig dirigierte ließ zeitweise auch das Orchester stehend und auswendig spielen. Mit der Doppelaufführung der IX. Sinfonie von Beethoven in Meiningen begann der so erfolgreiche Weg seines Orchesters bis in alle großen Städte Europas. 1882 heiratete er in zweiter Ehe die Hofschauspielerin Marie Schanzer. Sie sollte ihm mit der achtbändigen Gesamtausgabe seiner umfangreichen Korrespondenz und seines Schrifttums, sowie seinen Kompositionen ein lebendiges Denkmal setzen. Mit sicherem Gespür für Genialität holt er Johannes Brahms nach Meinigen, der für ihn und die Musikwelt nach Bach und Beethoven das dritte große „B“ werden sollte. So wird er auch später Richard Strauss entdecken und zu seinem Nachfolger in Meiningen werden lassen. Als 1884 Wagner stirbt kommt es zu einem völligen Zusammenbruch Bülows. Seine Frau schreibt dazu: „Die Nachricht von Wagners Tod hat einen so entsetzlich erschütternden Eindruck auf meines Mannes Gemüt gemacht. Ich selbst habe keine Ahnung gehabt, welche leidenschaftliche Liebe er im tiefsten Inneren seines Herzens trotz alledem für Wagner noch immer bewahrte. Bülows Leben ist mit dem Namen so eng verwebt, daß ihm nach seinen eigenen, mühsam hervor gebrachten Worten, ist, als sei sein Geist mit diesem Feuergeist nun auch gestorben, nur ein Fragment seines Körpers wandere noch umher.“ - 1885 kommt es zu einer Begegnung mit dem nachmaligen Reichskanzler Fürst Bülow die er als eine Episode am Rande so beschreibt: -“kurz vor dem Konzert, etwas ganz und gar nicht a tempo, macht mir Bernhard von Bülow seinen Gegenbesuch. Wir gefielen uns beide leider zu gut - es ist der netteste Namensvetter, der mir noch vorkekommen (leider total unmusikalisch . . . .)“ 1885 beendet Bülow seine so erfolgreiche Tätigkeit in Meiningen nach mehr als zweihundert Konzerten als Dirigent oder Pianist (manchmal leitete er von seinem Flügel aus auch noch das Orchester bei Beethoven- und Brahmskonzerten ). Er geht nach Hamburg um die Leitung der Philharmonischen Konzerte zu übernehmen. 1887 folgt er einem Ruf nach Berlin und dirigiert am 21. Oktober das erste Philharmonische Konzert.

Die Zukunft der „Berliner Philharmoniker“ hatte begonnen. Bülow übernahm das Orchester nach seinen Meininger Prinzipien und machte es zu einem der Ersten im damaligen Europa.Die Philharmonische Konzerte Bülows fanden vom ersten Tag an allerstärksten Zulauf. „Da jibt`s Fuhren, wenn der fiddelt“, sagten die Droschkenkutscher, sobald Plakate an den Litfaßsäulen wieder ein Bülowkonzert ankündigten. Wegen der außerordentlichen Nachfrage entschloß sich der Dirigent, schon zu seinen Generalproben die Öffentlichkeit zuzulassen, so kamen die weniger bemittelten, wie er sie nannte, schon am Sonntagvormittag. Gerne nannte er sich „Republikanischer Volkskapellmeister“ oder„Hofkapellmeister der Deutschen“. Seiner Überzeugung nach „ soll die Kunst nicht bloß ergötzen, sondern auch bildende, im höheren Sinne, erziehliche Wirkung ausüben.....!“ So wandte er sich oft belehrend an das Publikum und spielt manche Symphonie dann zweimal. Er, der weltgewandte nervös-bewegliche Mann von eher kleiner und schlanker Statur führte sein Orchester mit herrischen und ausladenden Gesten seiner weiß behandschuten Hände. „Bülow macht Vesuv“ pflegten die Hamburger zu sagen. Die 51 Philharmonischen Konzerte, die er bis 1892 in Berlin gab, weisen neben anderen Komponisten Max Bruch, Dvorak, Grieg, Richard Strauss und Tschaikowsky (der ihm sein d-Moll-Konzert widmete) auf, deren schöpferische Begabung er mit untrüglichem Instinkt erkannte und förderte. 1893 gab er das letzte Konzert mit seinen Philharmonikern. Nach dem seinen schweren körperlichen Leiden abgerungenen Konzert wandte er sich im jubelnden Beifall zum letzten Male an sein Publikum und sagte: „Gestatten Sie mir, daß ich diese lebhaften Sympathiebezeugungen, die in erster Linie den ausgezeichneten Leistungen des Orchesters gelten sollten, zu gleich für mich als Amnestie für früher begangene Extravaganzen in Anspruch nehme“. Das war Hans v. Bülows Abschied von Berlin. 1894 suchte er Heilung von seinem Lungenleiden in Ägypten. Am 12. Februar starb er in Kairo. Die Trauerfeier im Hamburger Michel glich der eines Monarchen. Unter den Klängen aus Bachs Johannes-Passion strömte die Trauergemeinde aus der Kirche, Zehntausende säumten die Straßen, als sich der Zug langsam durch die Stadt bewegte.

Hans v. Bülow war sicher einer der bedeutensten Musiker seiner Zeit. Er war Pianist von herausragendem Können und der größte Dirigent.

Er schuf den Typus des modernen Orchesterdirigenten.